Schutz des Informationsabflusses wird oft nur als IT-Problem verstanden

Die Wirtschaft erleidet jedes Jahr grosse Schäden infolge Spionageattacken. Laut der Studie "Industriespionage 2014 – Cybergeddon der deutschen Wirtschaft durch die NSA und Co?" summieren sich die Kosten auf mehrere Milliarden Euro.

"Immer mehr Unternehmen müssen feststellen, dass Angriffe auch in der Heimat und aus befreundeten Staaten heraus stattfinden", meinte Studienleiter Christian Schaaf von Corporate Trust. Überraschend sei die Herkunft der Attacken nicht, seit geraumer Zeit sei bekannt, dass unter anderem China und Russland auf diesem Gebiet sehr aktiv sind. Spätestens mit dem Auffliegen der NSA-Spionageattacken gab es immer wieder die Vermutung, dass auch befreundete Länder wie die USA Industriespionage betreiben.

Besonders gefährdet sind innovationsstarke Unternehmen des Mittelstandes. Dabei macht es oftmals vor allem die zunehmende Vernetzung von Unternehmen den Spionen und ihren Auftraggebern leicht. Fast die Hälfte der betroffenen Firmen registrierten Hackerangriffe auf Endgeräte. Bei 41 Prozent aller Fälle wurden Emails oder Faxnachrichten mitgelesen, wie die Geschädigten vermuten. 38 Prozent der Betriebe bemerkten Versuche, wonach Mitarbeiter direkt ausgefragt wurden, zum Teil über soziale Netzwerke im Internet, zum Teil auf Messen oder sogar im privaten Umfeld. Und bei immerhin einem Drittel aller betroffenen Firmen gaben die Mitarbeiter selbst die Informationen weiter.

Staatliche Geheimdienste aus dem Ausland stecken offenbar doch seltener hinter diesen Versuchen als vermutet (trotz der Enthüllungen Edward Snowdens über die NSA-Spionagepraktiken). Spionage beschränkt sich aber keineswegs nur auf Forschung und Entwicklung von Unternehmen, sondern auf Bereiche wie IT-Administration, IT-Service sowie Vertrieb. Es überrascht wenig, dass im Bereich Fusionen und Übernahmen die Konkurrenz offensichtlich auch ganz gerne über den Stand der Dinge informiert sein möchte.  Noch grösser als die Angst vor den Attacken und dem Wunsch nach Aufklärung scheint die Furcht, dass die Öffentlichkeit etwas von den Spionageversuchen mitbekommen könnte. Die grosse Mehrheit der Betroffenen versucht bei Hackerangriffen mit eigenem Personal die Übergriffe auszuschliessen und nicht einmal zehn Prozent der Fälle wurden der Polizei oder Staatsanwaltschaft gemeldet. In den Unternehmungen ist die Angst gross, den Verlust von Daten offenzulegen, um die eigene Kundschaft nicht zu verunsichern. 

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